Der Kampf gegen den Antisemitismus

Was ist Antisemitismus?
Antisemitismus ist die Sammelbezeichnung für alle Einstellungen und Verhaltensweisen, die den als Juden oder Jüdinnen wahrgenommenen Einzelpersonen, Gruppen oder Institutionen aufgrund dieser Zugehörigkeit negative Eigenschaften unterstellen. Judenhass ist Feindschaft gegen Juden als Juden.
Latente Formen: Stereotype Auffassungen und Bilder von Juden, die von diffusen Aversionen bis hin zu Ressentiments und Vorbehalten reichen, die dem oder der Einzelnen nicht zwangsläufig bewusst sein müssen und sich zum Teil nur anlassbezogen artikulieren.
Manifeste Formen: Bewusster Judenhass, der sich in entsprechenden Äußerungen privat oder im öffentlichen Raum manifestiert. Derartige Einstellungen können, müssen aber nicht zu konkreten Handlungen führen. Indessen kann die Artikulation von antisemitischen Einstellungen, etwa in Gestalt von Anspielungen oder Witzen, zur Stärkung eines entsprechenden sozialen Klimas beitragen. Weitergehende Äußerungen können in der direkten Forderung nach einer Benachteiligung von Juden und letztlich im Absprechen der Bürger- und Menschenrechte münden.
Gewalttätiger Antisemitismus: Gehen solche Auffassungen in konkrete Handlungen über, kann es zu Angriffen auf Einrichtungen und Personen kommen und in seiner letzten Konsequenz zur systematischen Verfolgung und Ermordung führen. Quelle: Deutscher Expertenbericht Antisemitismus (BMI 2018)

Die tiefenpsychologischen Wurzeln des Antisemitismus gleichen jenen des Ausländerhasses. Die „Kastenlose Gesellschaft“ des bekannten Tiefenpsychologen Wilfried Daim (1923-2016) stellte dazu vieles klar: https://t1p.de/jz04 so u.a.:

Männer fürchten Stärke und Potenz der als unterkastig empfundenen (im 19. Jh. eingewanderten Ost-) Juden, die „unsere“ Jobs wegnehmen und „unsere“ Frauen begehren. Siehe das Ödipaldreieck oben.
Frauen beneiden unterbewusst die Kinderfreudigkeit der jüdischen Frauen.

Dar Antisemitismus hat in Österreich eine lange Tradition, die weit vor das 19. Jahrhundert mit seiner starken jüdischen Einwanderung zurückreicht. Aber erst die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts brachten den Ausbruch des aktiven Antisemitismus. Auf der Basis der Agitation durch Georg Heinrich Schönerer ( 1842-1921), der Politik von Bürgermeister Karl Lueger (1844-1910), theoretischer Schriften wie jener von Lanz von Liebenfels (1874-1954), der im Buch „Mein Kampf“ niedergelegten Ideen von Adolf Hitler (1889-1945) und unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise kam es zum manifesten, gewalttätigen Antisemitismus der letztlich in der Shoa mündete.

– Eine kurze Geschichte von Antisemitismus und Judentum findet sich im Austria-Forum
– Die tiefenpsychologischen Grundlagen des Nationalsozialismus – und damit des gewalttätigen Antisemitismus
beschreibt Wilfried Daim im entsprechenden Kapitel seiner „kastenlosen Gesellschaft“.
– Das Werk von Lanz von Liebenfels wird beschrieben im Volltext unter „Der Mann, der Hitler die Ideen gab“

Weitere Literatur:

Heer, Friedrich: Gottes Erste Liebe, Ullstein Tb. 1986
Spera, Danielle: 100x Österreich/Judentum, Wien 2020

Antisemitismus-Strategie der Österreichischen Bundesregierung 2021
Deutscher Expertenbericht Antisemitismus (BMI 2018)
Antisemitismusbericht 2019

Veröffentlicht von Peter Diem

Medienforscher, Buchautor, Herausgeber von Austria-Forum

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